Gottes erstaunliche Häuser

Kirchen bieten sich bei den aktuellen Temperaturen ja als kühle Rückzugsräume geradezu an. Das ist aber nur ein Grund, warum dieses Buch ein lohnenswerter Reiseführer ist. Zu entdecken sind 33 Kirchen, die man gesehen haben muss, so der etwas reißerische Untertitel. Die beiden Autoren, Johanna Beck und Stefan Weigand teilen die Begeisterung für Kirchen und Architektur. Aus dieser Begeisterung heraus entstand ihr gemeinsames Buchprojekt, für das sie 32 Kirchen in Deutschland und die Versöhnungskirche in Taizé besucht haben. Diese Faszination , diese Leidenschaft spürt man in jedem der kurzen Portraits, die oft Reiseberichte, Meditationen und Essays über den christlichen Glauben zugleich sind. Im Untertitel wird auch gleich ein Ziel dieses Unterfangens genannt: den Glauben neu zu entdecken.

"Wir möchten das Staunen über Kirchen, berührende Räume und heilige Orte erfahrbar machen. Und Menschen neu zu diesem Staunen einladen."

Gottes erstaunliche Häuser finden die Literaturwissenschaftlerin Johanna Beck und der Buch- und Webdesigner Stefan Weigand leider vorwiegend im (süd-) westlichen Teil Deutschlands. Das mag persönliche Gründe haben, hängt aber auch, so schreiben es die Autoren im Vorwort, mit einem Fokus auf katholische Kirchen zusammen (die es im Norden und vor allem Osten Deutschlands weit weniger gibt): die evangelischen Kirchen waren schlichtweg meist verschlossen. Schade ist es allemal, denn so sind für manche Leser*innen die wenigsten der vorgestellten Kirchen ohne größeren Aufwand erreichbar. Für die nächste Reise vorgemerkt ist die ein oder andere allemal.

Johanna Beck, Stefan Weigand: Gottes erstaunliche Häuser. 33 Kirchen, die man gesehen haben muss, um den Glauben neu zu entdecken. Kösel Verlag 2026

Etwa St. Klara in Nürnberg, unweit des Hauptbahnhofes, die mit beeindruckenden Fotos in Szene gesetzt wird. Oder eine der Autobahnkirchen, auf die Beck und Weigand Lust machen. Einige Kapellen dürfen mit dem Rad besucht werden, gern auch in Familie, wie Stefan Weigand von seinen Wegen zur Kapelle Unterliezheim ("Arche im Wald") oder zur Waldnaabkapelle bei Tirschenreuth (Oberpfalz) beschreibt. Beide stehen fortan auf meiner "Bucket-List", ebenso wie St. Trinitatis in Leipzig oder die Abtei Königsmünster in Meschede. Von der Kapelle im Wald über Klosterkirchen bis hin zu einem Dom oder eben einer Autobahnkirche: ganz unterschiedliche Gotteshäuser laden zum Verweilen, zur Stille, zum Staunen ein.

"Es ist das Nichtalltägliche, das Unerschließbare, daß diese Orte auszeichnet. Ich trete in einen anderen Raum, der sich mir nicht ganz erklärt und auch nicht einer Funktion unterworfen ist. Hier ... ist Raum für Fragen – ohne dass es automatisch Antworten gibt."

Ein Reiseführer der anderen Art: Johanna Beck und Stefan Weigand weisen auf zum Teil recht unscheinbare Orte hin, die zum Innehalten einladen, Rückzugsräume bieten und Unterbrechungen ermöglichen – auf Reisen oder im Alltag. Viele dieser Orte mag man sich merken. In Zeiten, in denen Kirchengebäude geschlossen, profanisiert oder gar abgerissen werden, öffnen die beiden aber auch den Blick auf die Frage, welche Bedeutung diese "erstaunlichen" Räume für unser Leben und unseren Glauben haben – unabhängig von der Institution, die sie (noch) betreibt. Es ist eben nicht nur die Temperatur, die den Unterschied macht, sondern das Verhältnis dieser so verschiedenen Räume zu unserem Alltag.

Anders gefragt: "Wie würde Ihre Wunschkirche aussehen?"

Hintergründe zum Projekt und Einblick ins Buch:

https://stefan-weigand.com/33-kirchen/