Keine Panik – wir stellen die Schule auf den Kopf
Im neuen Schuljahr werde ich meine Klasse durch das vierte und damit letzte Schuljahr der Grundschule begleiten; umso mehr interessierte mich der Comicroman Keine Panik – Wir stellen die Schule auf den Kopf von Ilona Einwohlt und der Illustratorin Alexandra Junge, nachdem ich eine Rezension des Buches auf dem Prima(r)blog las.
Erzählt wird die Geschichte der Klasse 4a einer namenlos bleibenden Grundschule. Mika ist die Klassensprecherin der Klasse und gleichzeitig die Ich-Erzählerin im Roman. Sie beschreibt – auf zugespitzte aber durchaus realistische Weise – die Situation an ihrer Schule, die vielen Schülerinnen in Deutschland bekannt vorkommen dürfte: kaputte Spielgeräte, ein heruntergekommener Pausenhof, ein sich selbst überlassener Schulgarten, verstopfte Klos, kaputte Fenster. Und dazwischen überforderte Lehrerinnen, Referendare und ein Schulleiter, dessen Tage zwischen Bürokratie, Verwaltung und Schulträger zermahlen werden und der den Spitznamen "Herr Schildkröte" trägt...
Die ersten Kapitel zeichnen ein derart trostloses Bild der Situation an den Grundschulen, dass ich mich fragte, ob ich das mit meiner Klasse lesen und besprechen würde. Aber klar doch: Denn die kindliche Perspektive macht keinen Hehl daraus, dass da Abenteuer und Freiräume warten, die nur den größeren Figuren in diesem Buch suspekt sind. Vor allem aber bleibt es dankenswerterweise nicht bei dem Jammer über die kaputt gesparte Bildungslandschaft!
Denn dann betritt die neue Hausmeisterin mit dem sprechenden Namen Frau Panic die Szene, die durchaus auch mal Unterricht vertreten muss (der Lehrermangel lässt grüßen!) und den Kindern nicht nur Klebeband, sondern später auch Pinsel, Abdeckfolie und Farbe in die Hand drückt. Frau Panic ist es, die Mika und ihre Freunde ermutigt, selbst die Initiative zu ergreifen – und schon kommt eine turbulente Handlung ins Rollen, die viel erzählt über Selbstwirksamkeit, Freiheit und Mitbestimmung und aus der Misere ein bunte Vision für die Schule von morgen zaubert. Alles wird bunt! Und Schule und Unterricht werden – von den Kindern! – auf den Kopf (oder auf die Beine) gestellt!
Das alles ist nicht nur witzig und respektlos erzählt und bietet Kindern im Grundschulalter jede Menge Anknüpfpunkte für die eigenen Erfahrungen. Auch mit der Form des Comic-Romans nehmen Ilona Einwohlt und Alexandra Junge Lesemuffeln alle Argumente aus der Hand: Der Text wird immer wieder von Illustrationen und farbig hervorgehobenen Textfetzen unterbrochen, die das Lesen kurzweilig und unterhaltsam gestalten.
Passend zum Abschied aus der Grundschule lässt sich mit diesem Buch auf kreative Weise darüber spinnen, wie Schule eigentlich aussehen könnte – und warum da jede*r gefragt ist.